Geschichte

Geschichte der SPD Neuhausen auf den Fildern


Vorbemerkung

Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen kurzen Einblick in die Geschichte de Sozialdemokratie in Neuhausen. Eine ausfĂŒhrliche Beschreibung der ersten 100 Jahre SPD in Neuhausen finden Sie in unserer Festschrift. Wenn Sie ein gedrucktes Exemplar möchten, wenden Sie sich bitte an unseren Pressereferenten.

Weitere Informationen zur Geschichte der SPD finden Sie auf der entsprechende Seite der Bundes-SPD und der Landespartei.

Die AnfÀnge der Arbeiterbewegung in Neuhausen


Handwerkliche Kleinbetriebe, Baugewerbe und Handel beherrschten bis weit nach 1900 die Struktur unserer Gemeinde. Die BĂŒrger Neuhausens konnten es sich lange nicht vorstellen, in einer Fabrik zu arbeiten. Im Jahr 1905 waren von 2479 Einwohnern nur 30 als Fabrikarbeiter beschĂ€ftigt. Versuche, in Neuhausen Industriebetriebe anzusiedeln, scheiterten klĂ€glich, woran nicht nur die relativ schlechten Verkehrsbedingungen schuld waren.

Im Jahr 1838 versuchte der Fabrikant Hausmann eine Tapetenfabrik im unteren Schloss einzurichten. Allerdings fand er keine ArbeitskrĂ€fte in Neuhausen. Zur gleichen Zeit versuchte Melchior Balluff sein GlĂŒck mit einer Dosenfabrik. Zehn Jahre spĂ€ter musste er sein Unternehmen wieder schließen, da er auch in den Nachbargemeinden nicht genĂŒgend ArbeitskrĂ€fte fand. An diesem Bild Ă€nderte sich nichts bis in die 1920er Jahre. Nun hatten auch IndustriebetriebsgrĂŒndungen in Neuhausen Erfolg. Ingenieur Johann Eisele aus Esslingen erwarb nach dem 1. Weltkrieg die ehemalige Krautfabrik des Georg Sommer in der Filderstraße und richtete dort eine feinmechanische Werkstatt ein, die er in den folgenden Jahren zu einem leistungsfĂ€higen Betrieb ausbaute.

Feinmechanische Werkzeugteile waren in dieser Zeit sehr gefragt, und so wagte auch Gebhard Balluff im Jahre 1921 eine entsprechende Werkstatt selbstÀndig zu betreiben. AuftrÀge und Nachfragen ermutigten ihn, diese Werkstatt zu einem stattlichen Betrieb auszubauen. (Diese Firma hat auch heute noch Bestand.)

Die WĂŒrttembergische Baumwollspinner- und Weberei Esslingen errichteten im Jahre 1925 in der BernhĂ€user Straße ein neues Werk. Es wurde im Laufe der Zeit wesentlich vergrĂ¶ĂŸert. Theodor Gugel baute das von seiner Mutter ĂŒbernommene Ziegelwerk 1927/28 zu einer modernen, leistungsfĂ€higen Dampfziegelei aus.

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Die GrĂŒndung des Sozialdemokratischen Vereins Neuhausen

Ausgerechnet der Reichstagsabgeordnete der Zentrumspartei und MitbegrĂŒnder des Volksvereins fĂŒr das katholische Deutschlands, Pfarrer Leser aus Neuhausen, gab den Ausschlag zur GrĂŒndung der organisierten Sozialdemokratie in Neuhausen.

Die Steuererhöhung fĂŒr Genussmittel im Jahr 1909 machte Bier, Tabak und Tee fĂŒr Arbeiter bei den damaligen Hungerlöhnen immer unerschwinglicher.

Auf einer politischen Versammlung der Zentrumspartei am 11. September 1909 im Gasthaus „Ochsen“ verteidigte der Reichstagsabgeordnete Pfarrer Leser diese Steuererhöhung. Er empfahl den Arbeitern, in Zukunft auf solche Genussmittel zu verzichten, dann brĂ€uchten sie diese Steuern auch nicht zu bezahlen. Auf Grund dieser zynischen Aussage meldete sich der sozialdemokratische Abgeordnete Gottlieb Kenngott aus Esslingen, worauf ihm von Pfarrer Leser das Wort entzogen wurde.

Die Empörung ĂŒber diese undemokratische Haltung veranlasste einen großen Teil der Anwesenden zu einem spontanen Auszug aus Lesers Versammlung. Sie begaben sich in den benachbarten „Saalbau“, wo Gottlieb Kenngott den Standpunkt der SPD zu der Steuererhöhung darlegte. Bei dieser spontanen Veranstaltung wurde der „Sozialdemokratische Verein Neuhausen a.F.“ aus der Taufe gehoben, dem sofort 32 Mitglieder beitraten.

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Die ersten Jahre der Sozialdemokraten in Neuhausen

Die neue sozialdemokratische Bewegung sorgte in den Anfangsjahren fĂŒr eine politische Umstrukturierung in dem sonst eher zentrumsorientierten Neuhausen. Sowohl die stĂ€ndig steigende Mitgliederzahl in Neuhausen, als auch die Wahlerfolge zeigten, dass die junge Sozialdemokratie durch ihre politische Arbeit ĂŒberzeugen konnte.

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Sozialdemokraten unterstĂŒtzen Haas

Die nĂ€chste BewĂ€hrungsprobe kam fĂŒr die Neuhausener Sozialdemokraten im Jahre 1913. FĂŒnf Bewerber hatten sich um die Ortsvorsteherstelle in Neuhausen beworben. Der Schultheißen Amtsaktuar Haas wurde von den Sozialdemokraten unterstĂŒtzt. ZusĂ€tzlich zur offiziellen Kandidatenvorstellung am 30. MĂ€rz 1913 im „Saalbau“ veranstaltete der Sozialdemokratische Verein am 5. April im Gasthaus „Zum Adler“ eine WĂ€hlerversammlung, die nach Zeitungsberichten von 200 Personen besucht wurde.

Am 7. April 1913 entschieden sich die WĂ€hler mit 347 von 470 Stimmen fĂŒr Aktuar Haas als Ortsvorsteher.

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GrĂŒndung politisch gleichgesinnter Vereine

Im Umfeld der jungen Sozialdemokratie in Neuhausen entstanden eine Reihe gleichgesinnter Vereine zum Wohle der Arbeiterschaft. So wurde zum Beispiel 1911 der Neuhausener Spar- und Konsumverein gegrĂŒndet. Dieser Verein wurde in den Anfangsjahren von dem Genossen Kail geleitet, wĂ€hrend Genosse Oettinger das Amt des Kassiers inne hatte. 1913 wurde die Neuhausener Sektion des Arbeiterradfahrervereins SolidaritĂ€t gegrĂŒndet. Diese Vereinigung war nicht nur in Deutschland verbreitet, sondern hatte damals weltweit ca. 150.000 Mitglieder.

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Der Erste Weltkrieg


Ursachen fĂŒr den Krieg gab es viele und es fehlte nur noch der berĂŒhmte Funken, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen.

„Gefahr ist in Verzug. Der Weltkrieg droht!“, warnte die SPD noch am 25. Juli 1914. Recht hatte sie, denn eine Woche spĂ€ter marschierten die Armeen in Europa. Eine geradezu hysterische Kriegsbegeisterung erfasste die Bevölkerung. Kaiser Wilhelm II., der bis zu diesem Zeitpunkt die Sozialdemokraten - im Reichstag immerhin die stĂ€rkste Fraktion - mit Beschimpfungen wie „VaterlandsverrĂ€ter“ belegt hatte, entdeckte plötzlich: „ich kenne keine Parteien, ich kenne nur Deutsche!“

Am 14. August 1914 wurde im deutschen Reichstag ĂŒber die Kredite zur Finanzierung des Krieges abgestimmt. Die Reichstagsfraktion der SPD diskutierte heftig ĂŒber diese Kredite. Die Mehrheit ließ sich schließlich von der allgemeinen Stimmung mitreißen, in der Annahme das Deutsche Reich mĂŒsse einen Verteidigungskrieg fĂŒhren. Schließlich stimmten die Sozialdemokraten wie alle anderen Parteien fĂŒr die Bewilligung der Kriegskredite.

Der Glaube an ein schnelles, siegreiches Kriegsende begann zu schwinden, als nach anfÀnglichen Erfolgen bereits 1915 der Stellungskrieg mit verlustreichen Materialschlachten im Westen begann und auch im Osten nur begrenzte Erfolge erzielt wurden. Angesichts der tÀglichen Verlustmeldungen schwand die Kriegseuphorie. Die Friedensbestrebungen scheiterten immer wieder an der Unnachgiebigkeit der MilitÀrs. In der Bevölkerung wuchs zunehmend die Unzufriedenheit. Trotzdem musste sie bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918 miterleben, wie Tausende junger Menschen diesem Krieg zum Opfer fielen.

Berliner Volksblatt, 1918 - Abdankung des Kaisers

Auch in Neuhausen herrschte Trauer: 93 Neuhausener BĂŒrger fielen auf den KriegsschauplĂ€tzen. Als mahnende Erinnerung an diese schreckliche Zeit errichtete die Gemeinde auf dem Schlossplatz ein Ehrenmal fĂŒr die Toten, das seit 2004 auf dem Friedhof steht.

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Novemberrevolution im Großraum Stuttgart

In der ersten Novemberwoche 1918 bereitete die wĂŒrttembergische Regierung ihren RĂŒcktritt vor. Gleichzeitig streikten die Daimlerarbeiter und zogen durch Stuttgart. Die Regierung glaubte, durch Verhaftung der „gefĂ€hrlichen Elemente“ die Lage beruhigen zu können. Das Gegenteil trat ein.

Eine Arbeiterkommission setzte beim Minister des Innern die Entlassung der Verhafteten durch. Die Lawine war jedoch schon im Rollen. Die VorstĂ€nde aus Partei und Gewerkschaft beschlossen gemeinsam, die Arbeit ruhen zu lassen und die Massen am Stuttgarter Schlossplatz zu sammeln, um die Regierung zu stĂŒrzen.

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Neuhausen zwischen den Weltkriegen


Auch hier in Neuhausen wurde ein Arbeiterrat gegrĂŒndet. Wie schon bei der Taufe des sozialdemokratischen Vereins, referierte Gottlob Kenngott ĂŒber die Einrichtung und die Aufgaben eines solchen Rates. In der Versammlung am 15. Dezember 1918 im „Ochsen“ wurde dann der zehnköpfige Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat Neuhausens gewĂ€hlt. Erster Vorsitzender wurde Stuckateur Karl Richard Mayer-Rosa und Stellvertreter wurde Schreiner Otto Oettinger. An dieser Versammlung sollen ĂŒber 500 Personen teilgenommen haben!

Lebensmittelknappheit und Arbeitslosigkeit beherrschten den Alltag der BĂŒrger. Da Neuhausen keine nennenswerten Großbetriebe hatte, die der Gemeinde Steuern zahlten, waren auch die Möglichkeiten der Kommunalpolitik eingeschrĂ€nkt. In dieser Zeit, in der die Bevölkerung zu hungern hatte, die Gemeinde so gut wie bankrott war, und die Lebensmittel rationiert waren, wurde Neuhausen als der Ort bestimmt, in dem ein „Kinderasyl“ errichtet werden sollte. NatĂŒrlich erzĂŒrnten sich die GemĂŒter, da andere Orte, die wegen höherer Steuereinnahmen aus Großbetrieben weitaus besser in der Lage gewesen wĂ€ren, fĂŒr die Kinder ausreichend Nahrungsmittel zu beschaffen, dieses Kinderasyl ablehnten und Neuhausen als arme Gemeinde mit dieser zusĂ€tzlichen Belastung fertig werden musste.

Katastrophal wurde die Lage wĂ€hrend des Höhepunkts der Inflationszeit 1923, die auch in Neuhausen zu noch grĂ¶ĂŸerem Elend in der Bevölkerung fĂŒhrte. Dies fĂŒhrte unter anderem zur Erstarkung extremer politischer Gruppierungen.

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Mut in einer Zeit der Angst

„Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!“ Diese mutigen Worte sprach Otto Wels in seiner Rede am 23. MĂ€rz 1933 vor dem Reichstag zur Ablehnung des „Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich“. Obwohl einige SPD Abgeordnete bereits verhaftet und ermordet worden waren, sagte er im Namen der SPD-Fraktion:

„Wir stehen zu den GrundsĂ€tzen des Rechtsstaates, der Gleichberechtigung, des sozialen Rechtes [...]. Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den GrundsĂ€tzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus. Kein ErmĂ€chtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten. [...] Wir grĂŒĂŸen die Verfolgten und BedrĂ€ngten. Wir grĂŒĂŸen unsere Freunde im Reich. Ihre Standhaftigkeit und Treue verdienen Bewunderung. Ihr Bekennermut ihre ungebrochene Zuversicht verbĂŒrgen eine hellere Zukunft.“

Rede von Otto Wels, 1933

Dies war nicht nur die letzte Rede von Otto Wels vor dem Reichstag, sondern fĂŒr die kommenden zwölf Jahre die letzte freie Rede ĂŒberhaupt vor einem deutschen Parlament. Allein die SPD stimmte geschlossen gegen die ErmĂ€chtigungsgesetze. Die NSDAP, die Zentrumspartei und die anderen bĂŒrgerlichen Parteien stimmten fĂŒr die Gesetze, die die Macht der Nationalsozialisten verfestigte. Den 120 Abgeordneten der SPD wurden anschließend die Mandate und teilweise auch die deutsche StaatbĂŒrgerschaft aberkannt.

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Liquidation der Sozialdemokratie und gleichgesinnter Vereine im Dritten Reich

Andersdenkende wurden in Sicherheitsverwahrung genommen oder kurzerhand in die Konzentrationslager deportiert. Auch acht Neuhausener BĂŒrger durchlitten das Martyrium der Konzentrationslager. Viele Genossen hatten es dem neuen Ortsvorsteher Rothenbacher zu verdanken, dass in Neuhausen keine verstĂ€rkte Verfolgung der Sozialdemokraten stattfand. Rothenbacher hatte der Kreisleitung der NSDAP auf deren Anfrage mitgeteilt, dass hier in Neuhausen kein Sozialdemokratischer Ortsverein bestehe. Mutig, wenn man bedenkt, dass noch 1932 von den Sozialdemokraten zwei öffentliche Veranstaltungen abgehalten wurden.

keine SPD in Neuhausen, 1933

Die von der NSDAP propagierte „Auflösung marxistischer und Sozialdemokratischer Vereine und deren Eigentum“ fĂŒhrte nicht nur zur Auflösung des Arbeiterturnvereines und des Arbeiterradfahrervereines „SolidaritĂ€t“ in Neuhausen, den beiden wohl grĂ¶ĂŸten Neuhausener Vereinen. Ihr Eigentum wurde auch noch beschlagnahmt und dann auch noch Interessenten ĂŒberlassen, die von den neuen Machthabern akzeptiert wurden. Der Traum vom „TausendjĂ€hrigen Reich“ endete in einer TrĂŒmmerlandschaft. Millionen von Toten sind durch den Wahnsinn Hitlers und dem daraus entstandenen Völkermord zu beklagen, darunter auch 168 Gefallene und Vermisste aus unserer Gemeinde Neuhausen.

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Sozialdemokratischer Neubeginn 1945


Am 20. April 1945 um 18:30 Uhr marschierte die französische Armee in Neuhausen ein. Der Kreis Esslingen wurde knapp 12 Wochen spÀter der amerikanischen Besatzungszone zugeteilt.

Nach Einwilligung der Amerikaner wurde es 1945 der deutschen Bevölkerung wieder erlaubt, unter strengen Auflagen demokratische Parteien zu bilden und Kommunalwahlen durchzufĂŒhren. Die erste Gemeinderatswahl nach dem Krieg fand am 27. Januar 1946 statt. Die Christlich-Soziale Volkspartei, die SPD und eine Liste „Freier WĂ€hler“, eine den Kommunisten nahestehende Gruppierung, traten zur Wahl an. Die Wahlbeteiligung lag bei sensationellen 92%. Dabei erzielte die SPD mit 24,6% ein respektables Ergebnis. Paul Batzill und Alfons KĂ€rcher wurden die ersten SPD-GemeinderĂ€te! Paul Batzill gehörte dem Gemeinderat bis 1953 an; Alfons KĂ€rcher sogar bis 1975.

Wahlvorschlag der SPD Neuhausen, 1946

Ohne die Einwilligung der amerikanischen SiegermĂ€chte konnte jedoch keiner der GewĂ€hlten in den Gemeinderat einziehen. Am 29. MĂ€rz 1946 musste der Gemeinderat einen neuen BĂŒrgermeister wĂ€hlen, da BĂŒrgermeister Hermle aus beruflichen GrĂŒnden das Amt niedergelegt hatte. Aus 35 Bewerbern wĂ€hlte der Gemeinderat schließlich Alfons Frick. Im Juni 1946 fand die Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung fĂŒr WĂŒrttemberg statt. Dabei kam die SPD in Neuhausen auf 27,7%. FĂŒnf Monate spĂ€ter bei der Landtagswahl erhielt die SPD in Neuhausen 25,9% der Stimmen.

Am 29. Februar 1948 konnten dann die NeuhĂ€user ihren BĂŒrgermeister zum ersten Mal direkt wĂ€hlen. Alfons Frick erhielt dabei 82% der Stimmen.

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Heimatvertriebene in Neuhausen

Vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges hatte Neuhausen 3.018 Einwohner. Im Oktober 1945 lebten ca. 200 und im MĂ€rz 1946 bereits 283 Heimatvertriebene in Neuhausen.

Es mussten Auffanglager im „Braunen Haus“ und im Feuerwehrmagazin eingerichtet werden. Die NebenrĂ€ume aller Wirtschaften wurden zu Wohnzwecken beschlagnahmt. So wurde zum Beispiel das langjĂ€hrige SPD-Fraktionsmitglied Viktor Koczor im heutigen „Goldenen Löwen“ geboren.

Am Vormittag des 11. Juni 1946 kamen weitere 217 Heimatvertriebene aus Ungarn und dem Burgenland an. Der durchschnittliche Wohnraum in Neuhausen betrug zu dieser Zeit gerade mal fĂŒnf Quadratmeter pro Einwohner. Noch im gleichen Monat bildete der Gemeinderat einen sogenannten „FlĂŒchtlingsausschuss“. Eine ausgesprochen unglĂŒckliche Bezeichnung, wenn man bedenkt, dass es sich praktisch ausnahmslos um Heimatvertriebene handelte, die von den neuen Machthabern im Osten gegen Ihren Willen ausgewiesen wurden.

Diesem „FlĂŒchtlingsausschuss“ gelang es, die Heimatvertriebenen nach und nach in Privatquartieren unterzubringen. Doch der Zustrom riss nicht ab und der Gemeinderat beschloss den Kauf einer Baracke. Diese konnte allerdings erst 1947 aufgestellt werden. Die Zahl an FlĂŒchtlingen stieg bis Dezember 1946 auf 804 Personen an.

Die Heimatvertriebenen verschĂ€rften die schwierige ErnĂ€hrungs- und Versorgungslage. Im Sommer 1947 wurde an der Schule in Neuhausen die von den Amerikanern organisierte Schulspeisung eingefĂŒhrt. Ende 1948 gab es dann 879 Heimatvertriebene in Neuhausen. Eine weitere ZĂ€hlung im Jahr 1950 ergab, dass 979 Heimatvertriebene in Neuhausen lebten.

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SPD – Kommunalpolitik 1950-1970

Nur wenig ist aus den Zeiten des Wiederaufbaus des SPD-Ortsvereins nach dem 2. Weltkrieg ĂŒberliefert. Bei der ersten Gemeinderatswahl 1946 trat die SPD mit einer eigenen Liste an. Zur Gemeinderatswahl 1953 gab es keine eigenstĂ€ndige SPD-Liste mehr: Die Genossen kandidierten auf einer Liste der Freien WĂ€hler. Bis 1971 gab es gemeinsame Kandidatenlisten von Freien WĂ€hlern und SPD. In manchen Jahren fĂŒhrte die Liste die Bezeichnung „Freie WĂ€hler“, teilweise auch die Bezeichnung „SPD und Freie WĂ€hler“.

Stimmzettel der SPD Neuhausen, 1968

Mit Beginn der 70er Jahre und einem sozial-liberalen Kabinett unter Willy Brandt auf Bundesebene herrschte auch auf kommunaler Ebene eine neue sozialdemokratische Aufbruchstimmung.

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SPD – Ortsvereinspolitik 1970-1984

Ab 1973 engagierte sich der SPD-Ortsverein verstĂ€rkt auch kommunal-politisch. Es begann eine bis heute andauernde Phase konstruktiver Arbeit fĂŒr die Menschen in Neuhausen. Es begann eine bis heute andauernde Phase konstruktiver Arbeit fĂŒr die Menschen in Neuhausen:

  • So verhinderten die Neuhausener Sozialdemokraten ein von BĂŒrgermeister Frick und Teilen des Gemeinderats gewolltes Öltanklager zwischen Lindenkapelle und Autobahn.
  • Der durch die Neuhausener Sozialdemokraten verhinderte Hallenbadbau sicherte der Gemeinde auf lange Zeit finanzielle SpielrĂ€ume.
  • Schon damals forderte die SPD Neuhausen eine offene und informative Berichterstattung im Mitteilungsblatt, damit die BĂŒrger sich aktiv an der Kommunalpolitik beteiligen können.
  • Schon in den 70er Jahren war die SPD vom Ortsverein Neuhausen bis zum Landesverband geschlossen gegen einen Ausbau des Stuttgarter Flughafens.

Im Zuge dieser politischen Erneuerung wurde die bis dahin bestehende gemeinsame Fraktion von SPD und Freien WĂ€hlern im Gemeinderat aufgegeben. Zur Gemeinderatswahl 1975 entschied sich der SPD-Ortsverein mit einer reinen SPD-Liste anzutreten.

Als Schwerpunkt der Arbeit hatte sich die SPD-Fraktion folgende Ziele gesetzt:

  • Sanierung der Gemeindefinanzen
  • Die Erstellung eines Gemeindeentwicklungsplanes
  • BĂŒrgerfreundlichere Öffnungszeiten des Rathauses
  • Verbesserung der Informationspolitik der Gemeindeverwaltung
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Weitblickende Kommunalpolitik

FĂŒr die SPD-Gemeinderatsfraktion war es schon immer wichtig, ein liebens- und lebenswertes Neuhausen zu gestalten, sowie der Vereins- und Kulturarbeit in Neuhausen einen passenden Rahmen zu geben. In den folgenden Jahren wurde die untere Marktstraße neugestaltet. Über Jahre hinweg stand neben der Friedrich-Schiller-Schule die Bauruine des Hallenbades. Im MĂ€rz 1981 wurde im Gemeinderat der Beschluss gefasst, den Hallenbadtorso zu einer Mehrzweckhalle mit VereinsrĂ€umen umzubauen. Damit folgte die Mehrheit der GemeinderĂ€te endlich einer bereits sechs Jahre alten Forderung der Neuhausener Sozialdemokraten, wie das abgebildete Flugblatt aus dem Jahre 1975 zeigt.

Flugblatt gegen den Bau des Hallenbades, 1975

Der SPD-BĂŒrgermeisterkandidat

BĂŒrgermeister Frick hatte 1975 nach fast dreißig Amtsjahren aus gesundheitlichen GrĂŒnden seinen RĂŒcktritt bekannt gegeben.

Erich Bolich erklĂ€rte sich zu einer Kandidatur bereit. Somit bewarb sich in Neuhausen erstmals ein Sozialdemokrat um das Amt des BĂŒrgermeisters. Mit 29% der Stimmen unterlag Erich Bolich leider dem Mitbewerber Werner PrĂ€g. Nach Ablauf der ersten Amtszeit fanden am 6. November 1983 erneut BĂŒrgermeisterwahlen statt. Unter dem Motto „Aus Liebe zu Neuhausen“ fĂŒhrte Erich Bolich zusammen mit den Neuhausener Sozialdemokraten einen engagierten und sachlichen Wahlkampf. Wie bei der ersten Wahl erreichte Erich Bolich 29%, was angesichts des Amtsbonus von BĂŒrgermeister Werner PrĂ€g ein großer Erfolg war.

Zeichnung des SPD BĂŒrgermeisterkandidaten Erich Bolich, 1983

Das OrtsgesprÀch

Was soll`s? - So war 1975 der erste Leitartikel des neu geschaffenen Presseorgans „OrtsgesprĂ€ch“ der Neuhausener Sozialdemokraten ĂŒberschrieben. Die Neuhausener Sozialdemokraten waren mit der „AusfĂŒhrlichkeit“ der Gemeindemitteilungen nicht mehr einverstanden. Wichtige Fakten wurden – aus welchen GrĂŒnden auch immer – dem BĂŒrger vorenthalten.

OrtsgesprĂ€ch – eine sozialdemokratische Zeitung fĂŒr Neuhausen war geboren. So war eine alternative Berichterstattung fĂŒr Neuhausener BĂŒrger verwirklicht. Finanziert wurde dieses Presseorgan allein von den SPD-Mitgliedern in Neuhausen, die auch die Verteilung ĂŒbernahmen. Bis September 1991 fanden die BĂŒrger von Neuhausen das OrtsgesprĂ€ch in loser Folge in ihren BriefkĂ€sten.

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SPD - Kommunalpolitik nach 1984


Jugendhaus

Die Chronik des Neuhausener Jugendhauses liest sich ĂŒber weite Strecken wie eine Mischung aus gezielter Verweigerung und mit Scheinargumenten begleitete Verzögerungstaktik durch die Mehrheit des Gemeinderats. Seit 1977 forderte die SPD Neuhausen ein Jugendhaus mit einem hauptamtlichen Leiter und unterstĂŒtzte in den folgenden Jahren die damals neugegrĂŒndete „Jugendhausinitiative Neuhausen“. Um ein tragfĂ€higes Konzept zu entwickeln, veranstaltete die SPD Neuhausen 1980 ein Hearing zum Thema „Offene Jugendarbeit und Jugendhaus“.

Zwei Jahre spĂ€ter wurden 1.512 Unterschriften gesammelt fĂŒr ein BĂŒrgerbegehren zugunsten eines Jugendhauses in den KellerrĂ€umen der Egelseehalle. Dies konnte der Gemeinderat durch die Bereitstellung der alten „Rot-Kreuz-Baracke“ im Ochsengarten gerade noch abbiegen. 1985 wurde dort das Jugendhaus unter ehrenamtlicher Leitung eröffnet. Von Anfang an forderte die SPD-Gemeinderatsfraktion nachdrĂŒcklich einen hauptamtlichen Betreuer, um den Betrieb langfristig zu sichern.

Wie schmerzlich die Jugend von Neuhausen ein Jugendhaus vermisste, zeigte sich an der unerwartet hohen Zahl an Jugendlichen, die dem Aufruf der Gemeindeverwaltung zu einer Anhörung in der Egelseehalle am 9. MĂ€rz 1989 folgten. Am 19. September 1989 hat der Gemeinderat dann gegen die Stimmen der CDU-Fraktion beschlossen, ein Jugendhaus zusammen mit einer weiteren Sporthalle zu errichten. Endlich war es soweit: Das Jugendhaus entstand in den Jahren 1992 bis 1994 als architektonischer Blickfang am sĂŒdlichen Ortseingang von Neuhausen.

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Quartier fĂŒr Generationen

Bis 1977 gab es noch das „SpitĂ€le“ in der Schlossstraße, das eine vorbildliche Einrichtung als Alten- und Pflegeheim fĂŒr betagte BĂŒrger von Neuhausen war. ZurĂŒckgehend auf eine Initiative der SPD-Gemeinderatsfraktion aus dem Jahre 1986 wurde ein Arbeitskreis „Altenhilfe“ gegrĂŒndet. In diesem Arbeitskreis bemĂŒhten sich die beiden Kirchengemeinden, der Gemeinderat, die Gemeindeverwaltung und die Neuhausener Ärzteschaft um ein auf Neuhausen zugeschnittenes Konzept im Bereich der Altenhilfe. Als Ergebnis dieser Initiative wurde in den Jahren 1993 bis 1997 der heutige Ostertagshof errichtet.

Trotz hervorragender Arbeit der Sozialstation, der Nachbarschaftshilfe, Essen auf RĂ€dern, dem Angebot der beiden Kirchengemeinden und einigen Vereinen, besteht fĂŒr die Ă€lteren MitbĂŒrger in unserer Gemeinde ein Defizit. Mit dem „Quartier fĂŒr Generationen“ wird ein weiterer Schritt zur integrativen Betreuung fĂŒr Ă€ltere MitbĂŒrger getan. Dieses „Quartier fĂŒr Generationen“ soll zwischen Karl-, Kirch- und Klosterstraße entstehen.

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75 Jahre SPD Ortsverein Neuhausen

Das 75-jĂ€hrige JubilĂ€um feierten die Neuhausener Sozialdemokraten am 15. September 1984 im Saalbau, ihrem GrĂŒndungsort. Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom MusikÂŹverein Neuhausen und der Esslinger SPD-Songgruppe „trotz alledem“.

Mit ihnen feierten der damalige BĂŒrgermeister Werner PrĂ€g (CDU) und Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen. „Dies ist durchaus nicht selbstverstĂ€ndlich“, wie der Hauptredner des Abends, Ulrich Lang (SPD-Landesvorsitzender von 1981 bis 1987) betonte.

Titelbild der Festschrift SPD Neuhausen zum 75. JubilÀum, 1984

Dass die SPD-Mitglieder nicht nur Politik machen können, zeigte ein selbst geschriebenes TheaterstĂŒck, das an diesem Abend aufgefĂŒhrt wurde. Der Ortsvereinsvorsitzende JĂŒrgen Ruckh und der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus-Dieter Sanne zeigten dabei ebenso schauspielerisches Talent wie die GemeinderĂ€te Siegfried MĂŒller und Ursula Rothmund. Den Abschluss des Abends bildete ein Auftritt der MĂŒnchner Kabarettgruppe „Die fĂŒnfte Kolonne“. Im selben Jahr kam auch der damalige Vorsitzende der Bundestagsfraktion Hans-Jochen Vogel zu einer Kreisdelegiertenkonferenz nach Neuhausen in die Egelseehalle.

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Die SPD-Kegelgruppe

In den Jahren ab 1980 waren im SPD-Ortsverein viele aktive Mitglieder zu finden. Ein eigenes Festkomitee organisierte die alljĂ€hrliche Weihnachtsfeier und das Sommerfest. Eine andere Gruppe stellte AusflĂŒge in die nĂ€here und weitere Umgebung auf die Beine. Und am 17. November 1983 trafen sich zum ersten Mal 20 Personen in den KellerrĂ€umen der Stadion-GaststĂ€tte zum Kegeln.

Die Gruppe nannte sich scherzhaft „Die Roten Socken“ und nahm einige Male, durchaus erfolgreich, am Kegelturnier der örtlichen Freizeitgruppen teil. Als in Neuhausen die Kegelbahnen renoviert wurden, kegelten die „Roten Socken“ in Wolfschlugen weiter. Durch Wegzug wurde die Gruppe leider immer kleiner. So fand am 8. Mai 2004 das letzte SPD-Kegeln im Stadion statt.

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Verdienstkreuz der Bundesrepublik fĂŒr Erich Bolich

Am 26. Mai 2008 wurde dem SPD-Fraktionsvorsitzende Erich Bolich das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland offiziell ĂŒberreicht. Dabei erhielt er diese hohe Ehrung nicht nur fĂŒr seine ĂŒber 30-jĂ€hrige Mitarbeit im Gemeinderat. Erich Bolich war auch 10 Jahre Mitglied im Kreistag, ist Ehrenvorsitzender des Fußballvereins Neuhausen und Mitglied in vielen weiteren Vereinen.

Die seit 1988 bestehende Partnerschaft zwischen Neuhausen und der französischen Gemeinde Perronas geht maßgeblich auf ihn zurĂŒck. Von 1996 bis 2012 war er Vorsitzender des Partnerschaftskomitees.

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